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Herz und Kreislauf – Motor und Lebensstrom

Herz und Gefäße bilden unser vitales Versorgungssystem – faszinierend und unermüdlich im Einsatz, vielfältig vernetzt, doch hochsensibel, von Krankheiten bedroht und meist zu wenig beachtet


Belastungstest: Halten Sie Ihr Herz in Schwung – mit guter Laune und der richtigen Dosis Bewegung

Es schlägt für uns – ganz selbstverständlich. Das beruhigt uns und gibt uns Sicherheit, ohne dass wir uns dessen ständig bewusst wären. An unser Herz denken wir meist nur, wenn Gefühle im Spiel sind, wenn es vor Glück oder Aufregung schneller schlägt, wenn wir Kummer haben und einen dumpfen Druck im Brustraum spüren.

Oder wir schenken unserem Pumporgan etwas mehr Aufmerksamkeit, wenn es Probleme hat, aus dem Takt kommt, das Blut zu druckvoll oder zu langsam durch den Körper schickt. Doch manche Herzkrankheiten kündigen sich erst sehr spät an, sie lösen anfangs nur recht allgemeine Beschwerden aus, die auch andere, harmlose Gründe haben könnten. Ein Grund mehr, Herz und Gefäße bewusster im Blick zu behalten. Denn Herz-Kreislauferkrankungen gehören zu den häufigsten Todesursachen. Das müsste nicht sein.


Großer und kleiner Kreislauf: Beeindruckendes Tauschsystem

Das Blut versorgt in einem ausgeklügelten Kreislauf Organe und Gewebe bis hin in die kleinsten Körperzellen mit Sauerstoff und Nährstoffen. Es transportiert Hormone, Abwehrzellen, Krankheitserreger und vieles mehr. Das Herz ist der Motor, der das Blut mit dem jeweils passenden Druck durch die Gefäße pumpt.

Von der linken Herzhälfte gelangt sauerstoffreiches Blut über die Arterien in die unterschiedlichen Körperbereiche, wo es Nährstoffe und Sauerstoff an die Zellen abgibt. Sauerstoffarm, aber reich an Kohlendioxid und anderen Stoffwechselprodukten fließt der Blutstrom durch die Venen wieder zurück in die rechte Herzhälfte (großer Kreislauf) und von dort in die Lungen. Dort wird das Kohlendioxid abgegeben und abgeatmet. Das Blut nimmt neuen Sauerstoff auf, mit dem es zum Herzen zurückkehrt (kleiner Kreislauf). Der große Kreislauf beginnt von neuem im linken Herzen.

Damit dieses Versorgungs- und Entsorgungsnetz befriedigend funktionieren kann, muss der Herzmuskel leistungsfähig und selbst gut versorgt, das heißt gut durchblutet sein. Diese Aufgabe übernehmen die Herzkranzgefäße. Außerdem kommt es auf den Zustand der Blutgefäße, Arterien und Venen, an. Nur wenn sie durchgängig genug sind, kann das Blut gleichmäßig und ungehindert durch die unterschiedlich großen Bahnen mit ihren unzähligen Verzweigungen strömen. Gleichzeitig ist es wichtig, dass die Gefäßwände elastisch sind und dass die Blutbahnen sich nach Bedarf verengen und weiten können, je nachdem, wie viel Blut gerade wo benötigt wird.

An der Regelung all dieser Abläufe sind Nervensysteme wie das vegetative Nervensystem und Hormone, zum Beispiel die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin, beteiligt. Die engen Vernetzungen erklären auch, warum die Psyche so spürbar auf das Herz wirken kann, warum Stress, Ängste oder Depressionen es in Mitleidenschaft ziehen.

Höchste Gefahr: Gefäßverschluss

Wenn das Blut nicht mehr fließen kann, etwa weil ein Blutgerinnsel eine Arterie verstopft, dann drohen zum Beispiel ein Herzinfarkt oder ein Schlaganfall, je nachdem, an welcher Stelle das Gefäß verschlossen ist. Es kommt zu Durchblutungsstörungen, unterversorgtes Gewebe stirbt ab. Ein Blutgerinnsel (Thrombose) in den tiefen Beinvenen kann über den Blutstrom in die Lunge gelangen und dort einen lebensbedrohlichen Gefäßverschluss (Embolie) auslösen.

Hauptursache für kritische Gefäßerkrankungen sind fortschreitende Ablagerungen und Verengungen (Stenosen) in den Gefäßen. Die allgemein als Gefäßverkalkung bezeichnete Arteriosklerose wird begünstigt durch Risikofaktoren wie Bluthochdruck, ungünstige Blutfettwerte, Rauchen, Übergewicht, Bewegungsmangel, Diabetes oder das Alter. Stress und seelische Belastungen spielen ebenfalls eine Rolle.

! Bei den ersten Warnzeichen für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall heißt es: sofort handeln, um Leben zu retten und Folgeschäden zu begrenzen. Wählen Sie unverzüglich die Notrufnummer und lassen Sie sich in eine Klinik bringen. Denn jede Minute zählt.

Alarmzeichen für einen Herzinfarkt

  • Intensive Brustschmerzen, die länger als fünf Minuten anhalten und in die Arme, die Schulterblätter, den Hals, den Unterkiefer oder den Oberbauch ausstrahlen können
  • Gefühl der Brustenge, Beklemmung, Druck im Brustkorb, mitunter brennende, stechende Schmerzen wie bei Sodbrennen
  • Angst, kalter Schweiß, Schwächegefühl, plötzlich auftretende Atemnot
  • manchmal auch Übelkeit, Schwindel oder Bewusstlosigkeit
  • Wichtig: Die Beschwerden sind nicht immer eindeutig, können bei jedem etwas anders aussehen. Es müssen nicht alle Symptome vorhanden sein. Manche Betroffene, oft eher Frauen, empfinden nur Übelkeit, Luftnot oder Schmerzen im Oberbauch oder Rücken.


Herz in Not: Herzkrankheiten

Ein Herzinfarkt ist meist die dramatische Folge von arteriosklerotisch verengten Herzkranzgefäßen (koronare Herzkrankheit). In der Folge kann es auch zu einer Herzmuskelschwäche kommen.

Ist der Herzmuskel zu schwach, um ausreichend Blut durch den Körper zu pumpen, kann sich das auf die Durchblutung des Gehirns und vieler anderer Körperbereiche auswirken. Daher sind die Beschwerden vielfältig. Menschen mit Herzproblemen leiden beispielweise häufig unter Atemnot, Herzschmerzen, starkem Herzklopfen, Engegefühl in der Brust (Angina pectoris), Wasseransammlungen in den Beinen, innerer Unruhe, Angstzuständen oder Schwindel.

Es gibt akute und chronische Formen einer Herzmuskelschwäche (Herzschwäche, Herzinsuffizienz). Ursachen für ein schwaches Herz können unter anderem angeborene oder erworbene Herzklappenfehler, Herzrhythmusstörungen, Infektionen der Herzklappen (Endokarditis) oder des Herzmuskels (Myokarditis) sowie Bluthochdruck sein.

Wenn Sie Risikofaktoren aufweisen, an Bluthochdruck oder einer Herzerkrankung leiden, wird Ihr Arzt Sie individuell mit den jeweils passenden Therapiemaßnahmen behandeln. Er wird Sie zumeist auch ermahnen, selbst etwas für Ihr Herz zu tun.

Gesund leben: Aus Liebe zum Herzen und zu sich selbst

Herzgesund leben – warum denn das? Tabletten helfen doch auch. Solche Sprüche sind nicht neu. Zu mühsam scheint der Schritt in eine gesündere Lebensweise. Doch die ist nicht nur unverzichtbar, sie macht auch lebensfroh. Regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse und Obst, wenig Fleisch, wenig Fett und wenn, dann bevorzugt Pflanzenöle, Rauchstopp sowie die nötige Portion Entspannung und seelische Ausgeglichenheit sind nicht nur leere Formeln, die Ärzte und Gesundheitsapostel predigen. Diese Grundelemente wecken und erhalten rundum die Lebensgeister. Muskeln, Gelenke, das Herz und viele anderen Organe, Geist und Seele profitieren davon.

Es lohnt sich immer anzufangen, wenn das Herz noch gesund, aber auch, wenn es schon angegriffen ist. Ihr Arzt, Herzsportgruppen, die Deutsche Herzstiftung, Selbsthilfegruppen oder Gesundheitszentren unterstützen Sie mit Informationen und praktischem Rat – in fast jeder Herzensangelegenheit.



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Andrea Blank-Koppenleitner, www.senioren-ratgeber.de; 09.06.2008, aktualisiert am 20.05.2011
Bildnachweis: iStock/monkeybusinessimages

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